Vergleichende Fallstudien zum freiwilligen Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund

 

Laufzeit

Dezember 2008 bis Dezember 2013

Hintergrund

In der Diskussion um Bürgergesellschaft und Integration erlangt das freiwillige Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund zunehmend Beachtung. Wurden diese lange Zeit als Empfänger sozialer Leistungen betrachtet, so hat inzwischen ein Umdenken stattgefunden, das ihr Engagementverhalten und ihre Engagementpotenziale in den Fokus rückt. Diese Akzentverschiebung basiert auf der Erkenntnis, dass bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund eine wichtige und bislang unterschätzte Ressource für deren gesellschaftliche Partizipation und Integration ist.  

Es ist allerdings so, dass Menschen mit Migrationshintergrund in vielen Bereichen der Bürgergesellschaft in Deutschland unterrepräsentiert sind und über die Aktivitäten von und in Migrantenorganisationen noch immer relative Unkenntnis herrscht. Insgesamt ist der Kenntnisstand über das Engagementverhalten und -potenzial von Menschen mit Migrationshintergrund und deren Auswirkungen auf Partizipations- und Integrations­pro­zesse noch sehr gering. Es fehlen umfassende Studien über Zugangswege, Motivlagen und Förderbedarfe für das freiwillige Engagement in Migrantenorganisationen und in traditionellen Vereinigungen des Freiwilligensektors, die praktische und inte­gra­tions­politische Handlungsbedarfe ermitteln.  

Um die Empfehlungen des Nationalen Integrationsplans hinsichtlich der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund, ihrer stärkeren Einbindung in bürgergesellschaftliche Strukturen und deren interkulturellen Öffnung sowie die Anerkennung des Engagements in Migrantenorganisationen umzusetzen, ist es daher von großer Bedeutung, in die Tiefe gehende Untersuchungen über das spezifische Engagementverhalten verschiedener Zuwanderergruppen sowie förderliche und hinderliche Rahmenbedingungen für dieses Engagement durchzuführen.

Zielsetzung

Ziel dieses Projekts ist es, zur Schließung der beschriebenen Lücke maßgeblich beizutragen und die Motivationen, Strukturen und Potenziale des freiwilligen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund angemessen zu erfassen und zu analysieren. Dazu wurden Fallstudien über das Engagement von Angehörigen der drei größten Zuwanderergruppen in Deutschland,

  • aus der Türkei
  • aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion
  • aus Polen

durchgeführt und einzeln sowie vergleichend untersucht, um die Spezifik der Engagementformen und engagementbezogenen Organisationsformen jeweils für die einzelnen betrachteten Zuwanderergruppen herauszuarbeiten und parallel dazu die motivationalen und strukturellen Gemeinsamkeiten jenseits der spezifischen Ausprägungen für die einzelnen Zuwanderergruppen zu identifizieren. Damit sollen die Eigenheiten des freiwilligen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund im Rahmen einer Aufnahmegesellschaft unabhängig von der jeweiligen Herkunft herausgearbeitet werden.  

 

Arbeitsweise

Die Untersuchung wurde exemplarisch in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Der Zugang zu den Interviewpartnerinnen und -partner erfolgte über die Organisationen, in denen sich diese engagieren. Diese wurden im Rahmen eines Mapping-Verfahrens aus dem Feld der Migrantenorganisationen und unter den traditionellen Vereinigungen des Freiwilligensektors identifiziert. Die freiwillig Engagierten aus der Türkei und dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wurden telefonisch zu Motivationen, Engagementstrukturen, Zugangs­wegen und Förderbedarfen ihres Engagements befragt, wobei die Befragung sich eng am Fragekatalog des dritten Freiwilligensurvey orientierte und um migrantenspezifische Fragestellungen erweitert war. Die Engagierten aus Polen wurden im Rahmen leitfadengestützter persönlicher Interviews befragt.

Ergebnisse

Im Rahmen dieses Projekts, das sich konzeptionell an den Freiwilligensurvey anschließt, konnten mehr als 500 freiwillig engagierte Personen in Nordrhein-West­falen, die selbst oder deren Elternteil(e) aus Polen, der Türkei oder dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland zugewandert sind, telefonisch ihrem Engagement befragt werden. Darüber hinaus wurden knapp 60 leitfadengestützten (Gruppen-) Interviews mit Engagierten, die bzw. deren Eltern aus Polen zugewandert sind, geführt.

Eine Kurzfassung der Ergebnisse ist im Mai 2013 im Wegweiser Bürgergesellschaft erschienen: zum Download.

Ansprechpartnerin

Susanne Huth