Integrationslotsen: Modelle von Engagement und Integration. Bestandsaufnahme, Erfahrungsaustausch und Entwicklung kommunaler Umsetzungsstrategien 

Förderung und Partner

Das Projekt wird von der Robert Bosch Stiftung gefördert und in Kooperation mit der Landeshauptstadt Hannover und der AG Migration/Integration des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) durchgeführt

Projektbearbeitung

Susanne Huth und Duygu Yücel

Hintergrund

In den letzten Jahren wurden in Deutschland in zahlreichen Kommunen und einzelnen Bundesländern Projekte initiiert, die die Integration von Neuzugewanderten und teilweise auch von langjährig in Deutschland lebenden Migrant(inn)en durch ehrenamtliche Integrationslots(inn)en, -pat(inn)en oder -begleiter/innen fördern sollen.

  • Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert bspw. als gemeinwesenorientierte wohnumfeldbezogene Projekte auch Lotsenprojekte;
  • in den Fach- und Fördergrundsätze des hessischen Landesprogramms "Förderung von Integrationsmaßnahmen" wird der Einsatz von Integrationslots(inn)en ausdrücklich als Fördergegenstand genannt; und
  • das Land Baden-Württemberg hat ein dreijähriges Modellprojekt zur ehrenamtlichen Integrationsbegleitung aufgelegt.

Insgesamt zeichnen sich verschiedene Konzeptionen, Zielsetzungen, Zielgruppen, Themenstellungen und Ausrichtungen dieser Projekte ab, die bislang nicht vergleichend analysiert wurden und über die noch kein Erfahrungsaustausch stattgefunden hat, sodass Kommunen, die ähnliche Projekte anstreben, nicht aus den Erfahrungen der bereits laufenden Projekte lernen können.

Zielsetzung

Das Projekt mündete in einen bundesweiten qualifizierten Erfahrungsaustausch über bestehende Integrationslotsenprojekte am 26. und 27. September 2007 in Hannover (> Tagungsprogramm) auf Grundlage einer Expertise über Integrationslotsenprojekte in Deutschland inkl. Dokumentation, verbunden mit der Entwicklung von Umsetzungsstrategien, um für Kommunen und Bundesländer eine fundierte Planungsgrundlage für die Initiierung eigener Integrationslotsenprojekte zu liefern, die wesentliche Beiträge zu einer erfolgreicher und nachhaltiger Integration von Migrant(inn)en durch die Begleitung von ehrenamtlichen Lots(inn)en versprechen. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts wurden Lotsen-/Paten-/Mentorenansätze einer grundsätzlichen kritischen Prüfung unterzogen, um zu ermitteln, was und unter welchen Voraussetzungen dafür oder auch dagegen spricht, solche Projekte umzusetzen und wie sie sich in ihrer Wirkung zu möglichen alternativen Herangehensweisen der Integrationsförderung verhalten.

Arbeitsweise

Hinsichtlich der zu untersuchenden Projekte sind zu unterscheiden

  • die Zielgruppen der Projekte; so richten sich einige bspw. an bestimmte Zuwanderergruppen (Neuzuwanderer, Aussiedler/innen, bereits länger rechtmäßig in Deutschland lebende Migrant(inn)en im Sinne nachholender Integration, Frauen oder Senior(inn)en)
  • die thematische Ausrichtung der Projekte; so sind einige Projekte bspw. im Gesundheits- oder Bildungs- und Ausbildungsbereich angesiedelt oder es handelt sich um themenübergreifende Projektansätze zur (Alltags-) Integration
  • die Betreuungsform; so sind einige Projekte in der Form von 1 zu 1 Begleitungen konzipiert, andere sozialräumlich verankert (Vermittler/innen, dezentrale Lots(inn)en im Stadtteil, Anlauf-/Scharnierstellen)

Entsprechend dieser drei Unterscheidungslinien sind in die Expertise 35 Projekte mit den unterschiedlichsten Zielgruppen, Themenstellungen und Betreuungsformen eingeflossen und systematisch analysiert worden. Im Rahmen der Dokumentenanalysen und leitfadengestützten Interviews über Integrationslotsenprojekte wurden auch – soweit vorhanden – Evaluierungsergebnisse und Einschätzungen der Befragten zur Wirksamkeit und Beurteilung dieser Angebote und Projekte abgefragt und ermittelt, inwiefern diese von den vorfindbaren Rahmenbedingungen und Strukturen abhängen. Im Rahmen von 10 explorativen Fallstudien wurden darüber hinaus Gruppengespräche und Individualbefragung mit Migrant(inn)en und Integrationslots(inn)en durchgeführt, um persönliche Integrationsverläufe, Beziehungs- und Rollenmuster zwischen Integrationlots(inn)en und Gelotsten, Motivlagen und persönliche Beurteilungen in die Expertise aufnehmen zu können.

Diese systematische vergleichende Analyse bestehender Integrationslotsenprojekte in Deutschland wurde durch Internetrecherchen und telefonische Expert(inn)engespräche mit Projektverantwortlichen durchgeführt. Im Mittelpunkt dieser Recherchen standen auch die Fragen danach, welche Gruppen von Migrant(inn)en mit welchen Zielsetzungen von wem wie begleitet werden und welche Bedeutung diese Begleitung für ihre Integration in verschiedenen Bereichen hat (alltagspraktische, sprachliche, berufliche, Bildungs-, kulturelle und soziale Integration), sowie wie und unter welchen Zielsetzungen ehrenamtliche Integrationslots(inn)en geschult werden. Die Rechercheergebnisse wurden anhand eines Leitfadens festgehalten und in eine Datenbank übertragen, die die Grundlage für die Internetpräsentation unter www.integrationslotsen.net ist.

Diese Analyse war die Grundlage für einen zweitätigen Erfahrungsaustauschs am 26. und 27. September 2007 in Hannover (> Tagungsprogramm) zur Entwicklung von Umsetzungsstrategien, in dessen Rahmen Projekte mit verschiedenen Konzeptionen, Rahmenbedingungen und Zielsetzungen vorgestellt und in Hinsicht auf mögliche Transfer- und Anpassungsmöglichkeiten für andere Kommunen und Länder diskutiert wurden. In praxisorientierten Umsetzungsforen sollten die Teilnehmer/innen auf Grundlage der vorgestellten Projekte die Möglichkeit erhalten, Konzeptionen für die Initiierung und Umsetzung von Integrationslotsenprojekte in ihren Kommunen und Bundesländer zu erarbeiten.

Ergebnisse

Als Ergebnisse wurden eine Expertise in Form einer schriftlich vergleichenden Analyse vorhandener Integrationslotsenprojekte und eine Dokumentation des Erfahrungsaustauschs in Hannover mit Empfehlungen für Kommunen und Bundesländer erstellt. Diese sind ebenso wie eine Datenbank der recherchierten Projekte unter www.integrationslotsen.net veröffentlicht.

Ansprechpartnerin

Susanne Huth

 


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