Migrant(inn)en handeln und lernen im sozialen Umfeld – Kompetenzentwicklung, Partizipation und Integration durch interkulturelles Lernen

Die Machbarkeitsstudie war Bestandteil des Programmbereichs Lernen im sozialen Umfeld (LisU) im Forschungs- und Entwicklungsprogramm "Lernkultur Kompetenzentwicklung".

Auftraggeber

Das Programm wurde gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Der Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e.V. (ABWF) / Projekt Qualifikations-Entwicklungs-Management (QUEM) war die Durchführung des komplexen Programmmanagements übertragen worden.

Laufzeit

2004 bis 2006

Hintergrund

Das Lernen in Tätigkeiten außerhalb von Erwerbsarbeit gerät in Zeiten globaler Veränderungen und zunehmender Entgrenzung von Erwerbsarbeit zusehends in den Fokus der Aufmerksamkeit. Bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenarbeit, Familienarbeit und Freizeitgestaltung werden als Tätigkeitsbereiche für die Herausbildung und den Erhalt von Handlungsfähigkeit und Kompetenzen sowohl für die individuelle berufliche als auch die gesellschaftlich-soziale Integration erkannt.

Inwiefern Lernen in Tätigkeiten des sozialen Umfelds ein integrationsförderndes Moment darstellt, wurde bislang in der Forschung über Vereinsmitgliedschaften, freiwillige Tätigkeiten und bürgerschaftliches Engagement von Migrant(inn)en kaum untersucht. Da Migrant(inn)en prozentual stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind als Deutsche, Kinder ausländischer Herkunft gegenüber deutschen Kindern im Schulsystem in Bezug auf den Schultyp und die Dauer des Schulbesuchs benachteiligt sind, und Ausbildungsbeteiligung und -abschlüsse Jugendlicher ausländischer Herkunft deutlich hinter denen deutscher Jugendlicher zurückliegen, muss in Hinsicht auf die gesellschaftliche und berufliche Partizipation und Integration von Migrant(inn)en ein besonderes Augenmerk auf ihre Qualifizierung und Kompetenzentwicklung auch außerhalb des traditionellen (Weiter-)Bildungssystems gerichtet werden. Gleichzeitig liegen im sozialen Umfeld Möglichkeiten für Migrant(inn)en, eigene Erfahrungen, interkulturelle Kompetenzen und Potenziale in die Arbeits- und Zivilgesellschaft einbringen zu können.

Zielsetzung

Im Rahmen dieser Machbarkeitsstudie galt es, das Forschungsfeld für die Erfassung von Tätigkeits- und Lernverläufen von Migrant(inn)en im sozialen Umfeld – in freiwilligem und bürgerschaftlichem Engagement in Migrantenselbstorganisationen und "deutschen" Vereinen und Initiativen, in Familien- und Verwandtschaftsnetzwerken, in ethnischen Communities, in der Nachbarschaft – und die damit verbundenen Integrations- und Partizipationsmuster zu öffnen, sodass in anschließenden Forschungen anhand präzisierter Fragestellungen Erkenntnisse über geeignete Lernunterstützungen, Lernnetze und Lernmilieus erlangt werden können.

So zielte diese Machbarkeitsstudie zum einen auf Erkenntnisse aus dem bisher noch wenig beforschten Feld des Lernens von Migrant(inn)en im sozialen Umfeld, und zwar auf der individuellen, organisationalen und regionalen bzw. sozialräumlichen Ebene, und zum anderen auf die Entwicklung und Erprobung eines Instrumentariums zur empirischen Erforschung des Feldes.

Arbeitsweise

Die Machbarkeitsstudie wurde auf drei ineinander verschränkten Ebenen durchgeführt, die es erlauben, die komplexen, ineinander greifenden Forschungsfragen zu beantworten:

  • biographische Fallstudien mit Personen verschiedener ausländischer Herkunft in verschiedenen Zusammenhängen des sozialen Umfelds zur Identifizierung von Lernverläufen, individuellen Integrationsverläufen, Motivationen, Transferleistungen, Lernabsichten usw.;
  • Einzelfallstudien zur Selbstorganisation von Migrant(inn)en verschiedener Zuwanderergruppen anhand von Dokumenten- und Literaturanalyse, Experteninterviews und leitfadengestützten narrativen Interviews zur Typologisierung unterschiedlicher Organisationsformen und -entwicklungen, Lernorte, Lernformen, Formen der Lernunterstützung, Lernkulturen und -milieus von Migrant(inn)en;
  • regionale bzw. sozialräumliche Vergleichsstudien / Netzwerkanalyse durch ein Mapping-Verfahren zur Identifikation aller relevanten Akteure, deren Interaktionen und Beziehungen, um Organisationsstrukturen zur Lernunterstützung, Lernkontexte und Lernmilieus, Lernnetze, das Zusammenwirken verschiedener Lernkulturen und Ausprägung von regionalen Lernkulturen durch interkulturelles Lernen zu erfassen.

Ergebnisse

Der Ergebnisbericht wurde Anfang 2007 unter www.abwf.de veröffentlicht, eine Zusammenfassung der Ergebnisse findet sich in: Huth, Susanne (2006): Bürgerschaftliches Engagement als Lernort und Weg zu sozialer Integration, in: Migration und Soziale Arbeit, H. 3+4, S. 280-290.

Ansprechpartner/in

Dr. Jürgen Schumacher

Susanne Huth