Freiwilligenmanagement in Migrantenorganisationen und Interkulturelle Öffnung der Freiwilligenarbeit in Wohlfahrtsverbänden

Beispiele guter Praxis für die Förderung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund.

Laufzeit

Dezember 2008 bis November 2013

Hintergrund

Die gesellschaftliche Integration von mehr als 15 Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund ist eine der wichtigsten sozialpolitischen Aufgaben nicht nur der Gegenwart, sondern auch der Zukunft. Durch bürgerschaftliches Engagement können hierzu wesentliche Beiträge geleistet werden. Dessen Förderung und Unterstützung ist in den vergangenen Dekaden durch vielfältige Maßnahmen grundlegend verbessert worden. Beispielhaft genannt seien hier nur die Schaffung von Freiwilligenzentren und -agenturen und die Verbesserung der Rahmenbedingungen der Freiwilligenarbeit. Es ist jedoch festzustellen, dass das Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund von diesen Fördermaßnahmen und Unterstützungsleistungen bislang nur in geringem Maß profitiert hat.  

Dafür sind folgende Gründe maßgeblich:

  • Menschen mit Migrationshintergrund sind eher informell in Bereichen der gegenseitigen Hilfe und Selbsthilfe und im Rahmen von Migrantenorganisationen aktiv.
  • Für ein Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund in traditionellen Vereinigungen des Freiwilligensektors bestehen erhebliche Hemmschwellen, nicht zuletzt aufgrund von Sprachschwierigkeiten, Unkenntnis von Engagementmöglichkeiten und Fremdheitsgefühlen.
  • Bei einer Reihe von traditionellen Vereinigungen des Freiwilligensektors bestehen Barrieren gegenüber dem Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund. Es ist hier in vielen Bereichen ein Mangel an Problembewusstsein sowie an Fähigkeiten und Kompetenzen zur interkulturellen Öffnung, bei einigen auch ein Mangel an Bereitschaft dazu festzustellen.
  • Migrantenorganisationen selbst partizipieren aus verschiedenen Gründen (z.B. Sprachbarrieren und mangelnde Kenntnis der Institutionen- und Förderlandschaft in Deutschland) weit weniger an Förderprogrammen im Bereich der Freiwilligenarbeit und können weit weniger auf einschlägige Netzwerkressourcen zurückgreifen, als traditionelle Vereinigungen des Freiwilligensektors.  

Diesen Problemen wurde im Nationalen Integrationsplan bereits Rechnung getragen: Hinsichtlich der Integration durch bürgerschaftliches Engagement und einer gleichberechtigten Teilhabe auf der institutionellen Ebene werden u.a. die folgenden Maßnahmen propagiert:

  • Gleichbehandlung und gleichberechtigte Anerkennung der Integrationsanstrengungen von Migrantenorganisationen.
  • Unterstützung des Prozesses interkultureller Öffnung bei traditionellen Vereinen, Verbänden, Kirchen, Religionsgemeinschaften und Migrantenorganisationen.

Zielsetzung

Mit diesem Projekt soll ein Beitrag dazu geleistet werden, die geschilderten Defizite, die der Erschließung der Potenziale bürgerschaftlichen Engagements für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Wege stehen, zu beseitigen und die Forderungen des Nationalen Integrationsplans in der Organisationslandschaft zu implementieren. Dazu wird eine Bestandsaufnahme der Freiwilligenarbeit in Migrantenorganisationen und des freiwilligen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund in Wohlfahrtsverbänden vorgenommen. Das Augenmerk richtet sich dabei in erster Linie auf die Rahmenbedingungen und Unterstützungsstrukturen, die für dieses freiwillige Engagement vorhanden sind.  

Die in diesem Rahmen aufgefundenen Beispiele guter Praxis, also vorbildliche Strukturen und Arbeitsformen, sollen ausführlich dokumentiert werden, damit sich gute Ideen der Ansprache von und Zusammenarbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund seitens traditioneller Vereinigungen des Freiwilligensektors und bereits erprobte Formen des Freiwilligenmanagements in Migrantenorganisationen weiter verbreiten und von anderen Organisationen genutzt werden können.

Arbeitsweise

Als Untersuchungsregion für das Vorhaben wurde das Land Nordrhein-Westfalen ausgewählt. Um die Beispiele guter Praxis in der Förderung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund zu erheben, wird zunächst die Organisationslandschaft durch ein Mapping-Verfahren erschlossen, um eine Datenbank mit den Kontaktinformationen von Migrantenorganisationen und von relevanten Gliederungen der Wohlfahrtsverbände aufzubauen.  

Die auf diese Weise erfassten Organisationen werden mittels eines Fragebogens auf der Grundlage eines zuvor entwickelten Rasters von Kriterien „guten“ Freiwilligenmanagements befragt. In den Einrichtungen, in denen gute Praxisbeispiele für die Förderung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund derart identifiziert wurden, werden die Aktivitäten, Arbeitsweisen und strukturellen Bedingungen im Rahmen von qualitativen Interviews und Projektbesuchen detailliert erfasst, um auf der Basis einer Dokumentation und Analyse dieser „Good Practice“-Beispiele Handlungsempfehlungen zu formulieren.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Untersuchung umfassen die folgenden drei Elemente:

  • Dokumentation der Beispiele guter Praxis in Form von Falldarstellungen
  • Synoptische Analyse des erhobenen Materials und die Einordnung der Beispiele guter Praxis in thematische und aufgabenbezogene Zusammenhänge
  • Formulierung von Handlungsempfehlungen.

Ansprechpartnerinnen

Dr. Jürgen Schumacher und Susanne Huth