Gemeinsame Evaluation des Gesetzes über den Bundesfreiwilligendienst (BFDG) und des Gesetzes zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten (JFDG)

Laufzeit

Juni 2012 bis Juni 2016

Hintergrund

Die Aussetzung der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes zum 1. Juli 2011 wurde von der Bundesregierung als einmalige Chance ergriffen, freiwilliges Engagement in Deutschland auf eine breitere Basis zu stellen: Mit dem neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD), der sich auch an 27-Jährige und Ältere richtet, und dem Ausbau der Jugendfreiwilligendienste FSJ und FÖJ wurde mit über 80.000 Freiwilligen ein historischer Höchststand in Deutschland erreicht.

Zur zielgerichteten Weiterentwicklung des BFD und der Jugendfreiwilligendienste FSJ und FÖJ wird seit Mitte 2012 eine umfassende gemeinsame Evaluation des Gesetzes über den Bundesfreiwilligendienst (BFDG) und des Gesetzes zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten (JFDG) durchgeführt.

Zielsetzung

Die Jugendfreiwilligendienste und der Bundesfreiwilligendienst sind besondere Formen des bürgerschaftlichen Engagements und als Lern- und Orientierungsdienste der Förderung der Bildungsfähigkeit von Jugendlichen (FSJ und FÖJ) beziehungsweise dem Lebenslangen Lernen (BFD) verpflichtet. Vor diesem Hintergrund haben die Dienste Wirkungen auf die Freiwilligen selbst (Mikroebene), auf die Organisationen in ihren Einsatzbereichen (Mesoebene) sowie auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Sinne der Erbringung unter anderem wohlfahrtsrelevanter und ökologischer Zusatzleistungen sowie der Förderung der Engagementbereitschaft nach Beendigung des Dienstes (Makroebene).

Diese Wirkungsebenen stehen im Mittelpunkt der Evaluation und werden erstmalig umfassend analysiert:

Auf der Ebene der Individuen (Mikroebene) werden folgende Aspekte untersucht: Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung; persönliche und beruflichen Orientierung; personaler, sozialer und fachlicher Kompetenzerwerb; interkulturelles Lernen, Nutzen für Freiwillige (zum Beispiel durch Soziales Kapital); Lern- und Bildungsprozesse; Langzeiteffekte;

Auf institutioneller Ebene (Mesoebene) werden folgende Bereiche beleuchtet: positive Wirkungen in den Organisationen; Nutzen für einzelne Gruppierungen wie Verbände, Einrichtungen (zum Beispiel Organisations- und Personalentwicklung);

Auf der gesellschaftlichen Ebene (Makroebene) werden die folgende Aspekte in den Blick genommen: positive wohlfahrtsrelevante und ökologische Wirkungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt; Engagement nach dem Dienst.

Arbeitsweise

Die Evaluation baut auf früheren Untersuchungen zum FÖJ (1996)[1] und FSJ (1998)[2], der Evaluation von FSJ und FÖJ aus den Jahren 2003 bis 2005[3] sowie dem Forschungsprojekt "Zivildienst als Sozialisationsinstanz für junge Männer"[4] aus dem Jahr 2011 auf.

[1] Arnold, Thomas/ Wüstendörfer, Werner (1996): Abschlussbericht zum freiwilligen Ökologischen Jahr, Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bd. 133, Stuttgart/Berlin/Köln.    

[2] Rahrbach, Andrea/Wüstendörfer, Werner/Arnold, Thomas (1998): Untersuchung zum freiwilligen sozialen Jahr, Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bd. 157, Stuttgart/Berlin/Köln.

[3] Engels, Dietrich/Leucht, Martina/Machalowski, Gerhard (2008): Evaluation des freiwilligen sozialen Jahres und des freiwilligen ökologischen Jahres, Wiesbaden.

[4] Becker, Carsten/Bleikertz, Torben/Gehrke, Jürgen/Böhnisch, Lothar (2011): Abschlussbericht des Forschungsprojektes "Zivildienst als Sozialisationsinstanz für junge Männer". Hrsg. BMFSFJ, http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationsliste,did=184692.html (18. Oktober 2013).

Methodisch kommt eine Kombination von quantitativen und qualitativen Forschungsverfahren zur Anwendung. Quantitative Forschungsmethoden liefern belastbare Ergebnisse und ermöglichen Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Situation der Freiwilligendienste in Deutschland. Qualitative Methoden dienen zum einen der vertiefenden Untersuchung einzelner Themen und werden zum anderen explorativ zur Vorbereitung quantitativer Verfahren genutzt.

Im Wesentlichen fußt die Evaluation auf drei umfassenden quantitativ angelegten Befragungen der Teilnehmenden, der selbständigen Organisationseinheiten (sOE) und Träger sowie der Einsatzstellen. Diese Befragungen werden durch eine Kontrollgruppenbefragung, zusätzliche qualitative Elemente und weitere Forschungsansätze flankiert.

Ergebnisse

Die Evaluation wird von einem Beirat begleitet und beraten, der ein- bis zweimal jährlich tagt. Besondere Einzelfragen und -ergebnisse werden im Rahmen von Workshops mit wissenschaftlichen und Praxisexpertinnen und -experten vorgestellt und diskutiert.  

Die ersten Zwischenergebnisse wurden auf einer Fachtagung Ende 2013 vorgestellt. Die Abschlusstagung zur Präsentation und Diskussion der Gesamtergebnisse und der Empfehlungen der Evaluation fand am 8. Dezember 2015 in Berlin statt. Der Abschlussbericht steht hier zum Download zur Verfügung.

Die Fragebögen der verschiedenen Befragungen können hier herunter geladen werden:

Ansprechpartnerin

Susanne Huth