Aufbau eines Bundeselternnetzwerks mit Migrantenorganisationen

Bundeselternnetzwerk Bildung & Teilhabe (bbt)

Förderung

Das Projekt wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) ko-finanziert.

Laufzeit

Juli 2015 bis Juni 2018

Hintergrund

Bildung ist eine zentrale Voraussetzung für gelingende Integration und gesellschaftliche Teilhabe. Dabei sind die Bildungschancen in Deutschland sehr ungleich verteilt und hängen stark vom sozialen Status und der Bildung der Eltern ab. Aufgrund des durchschnittlich geringeren Bildungsgrades und sozialen Status ihrer Eltern ist ein hoher Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bildungsbenachteiligt. Hinzu kommen z.T. sprachliche, kulturelle und institutionelle Benachteiligungsfaktoren, die die sozio-strukturell bedingten Bildungschancen zusätzlich verschlechtern.

Das Zusammenspiel von Familie, Kindertageseinrichtung und Schule für die Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen wird als „Bildungs- und Erziehungspartnerschaft“ bezeichnet. Der Elternarbeit kommt dabei eine bedeutende Rolle zu. Die Ziele der Elternarbeit umfassen u.a. die Stärkung der Erziehungs- und Bildungskompetenz und die Vernetzung von Familien, Kindertageseinrichtungen und Schulen.

Für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund ist der Einbezug der Eltern in diese Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von besonderer Bedeutung, um den Schulerfolg zu fördern. Dazu haben sich in den vergangenen fast 50 Jahren zahlreiche Migrantenorganisationen (MO) als Elternvereine gegründet, die sich zunächst nach Herkunftsländern (Spanien, Griechenland, Türkei, ehem. Sowjetunion), später auch nach Bundesländern (Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen) zu Elternnetzwerken zusammengeschlossen haben. Vor allem MO von Drittstaatenangehörigen sind bislang jedoch nur wenig vernetzt.

Die Veranstaltung „Integrationsförderung durch Elternvereine und Elternnetzwerke" (BBE mit Förderung des BAMF und der Robert-Bosch-Stiftung, 2011) zeigte vielversprechende Perspektiven einer bundesweiten Vernetzung von migrantischen Elternvereinen. Die Teilnehmenden sprachen sich einheitlich dafür aus, viele von ihnen erklärten ihre Bereitschaft, sich aktiv an der Vernetzung zu beteiligen.

Zielsetzung

Das Projekt zielt auf den Aufbau und die Gründung eines Bundeselternnetzwerks mit Migratenorganisationen, das nach Beendigung des Projekts fortbesteht. Es wird maßgeblich zur Stärkung bestehender und zur Gründung neuer Elterninitiativen und -vereine von Drittstaatenangehörigen beitragen. Konkrete thematische Unterstützungsangebote erhöhen die Handlungssicherheit und damit die Arbeitsqualität der Engagierten in diesen Organisationen. Durch den Einbezug neuer Organisationen von Drittstaatsangehörigen werden diese zudem frühzeitig mit demokratischen Formen der Entscheidungsfindung, Willensbildung und der wirksamen Vertretung ihrer Interessen vertraut gemacht. Dies fördert die Willkommenskultur bei gleichzeitiger aktiver Inklusion der Neuzugewanderten aus Drittstaaten.

Durch Vernetzung sowohl untereinander als auch mit Organisationen der Integrationsarbeit und des Bildungswesens werden zusätzliche qualifikatorische Ressourcen erschlossen und der Aufbau von Kooperationsbeziehungen gefördert. Probleme und Anliegen von Eltern aus Drittstaaten werden deutlicher formuliert und damit für die bildungspolitische Agenda verfügbar gemacht.

Das Bundeselternnetzwerk ermöglicht einen moderierten Informations- und Erfahrungsaustausch, bietet Gelegenheitsstrukturen für gegenseitige Unterstützung und Hilfestellung und schafft den Rahmen für die Bearbeitung, Umsetzung und Durchsetzung gemeinsamer Ziele und Forderungen sowie einer gemeinsamen Interessenvertretung von Migrantenorganisationen im Bereich der Elternarbeit.

Arbeitsweise

Der Projektbeginn besteht im Wesentlichem in einem „Mapping“ der Elternarbeit von Migrantenorganisationen und Elternnetzwerken von Drittstaatenangehörigen. Neben dem Mapping wird eine Bestandsaufnahme der Arbeit und der Perspektiven aller bereits bestehenden Netzwerke und Verbände vorgenommen.

Bereits parallel zu Mapping und Bestandsaufnahme werden lokale Informationsveranstaltungen für Elternvereine und -initiativen von Drittstaatenangehörigen sowie interessierte Eltern von den Projektpartnern durchgeführt, um ihnen Beteiligungsmöglichkeiten aufzuzeigen und sie zu motivieren, an dem Netzwerkbildungsprozess teilzuhaben.

Durch intensive Kontakte der Projektpartner BVRE und FÖTED zu regional tätigen Migrantenorganisationen können Drittstaatsangehörige unmittelbar angesprochen und zur Teilnahme motiviert werden. Von Seiten des BBE werden im gesamten Prozess umfangreiche Expertise im Bereich der Netzwerkbildung sowie Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern eingebracht.

Auf der Grundlage der Ergebnisse des Mappings werden weitere Informationsveranstaltungen, Bestandsaufnahmen und eine systematische Sammlung und Aufbereitung von für die Elternarbeit relevanten Informationen, Handreichungen, usw. durchgeführt, die nach und nach auf einer projekteigenen Website lebensweltnah und praxisrelevant präsentiert und zum Download angeboten werden.

Im Rahmen themenorientierter Workshops für Elterninitiativen und Migrantenorganisationen werden verschiedene Aspekte und Fragestellungen vertieft und für den Netzwerkbildungsprozess aufbereitet. Regelmäßige Koordinierungstreffen, an denen neben den Projektpartnern weitere Akteure teilnehmen, unterstützen und koordinieren den Netzwerkbildungsprozess. Ein Agendasettingprozess sowie eine gezielte Rechtsform-, Leitbild- und Medienentwicklung ggf. unter Hinzuziehung externer Expertinnen und Experten werden die Nachhaltigkeit des Bundeselternnetzwerks sichern.

Welche Struktur das Netzwerk schließlich haben wird, wird gegen Ende des zweiten Projektjahres entschieden. Die Ausgestaltung einer nachhaltigen Vernetzungsstruktur ist eine zentrale Aufgabe im letzten Projektjahr, in dem der eigentliche Gründungsprozess initiiert und umgesetzt wird, sodass gegen Projektende die Netzwerkgründung erfolgen kann.

Ergebnisse

Alle Arbeitsergebnisse werden auf der projekteigenen Website www.bundeselternnetzwerk.de veröffentlicht. Es wird ein Newsletter eingerichtet, der vier Mal im Jahr erscheint.

Ansprechpartner/innen

Susanne Huth und Melisa Bel Adasme